Edition Sterntaucher

Brit Rodenberg

 

Traum II 


Ich hab geträumt heut' Nacht.

Die Sonne schien.

Sanft fielen ihre Strahlen zwischen die Bäume.

Natur, Farben, Gerüche – alles war wunderbar herbstlich.

Neben mir plätscherte der Fluss.

Eine betagte Frau kam mir entgegen.

Ich nahm sie wahr als Teil dieser besonderen Stimmung.

Dann humpelte ein Mann eilig mir vorbei.

Er murmelte vor sich hin.

Ich verstand nur ein Wort.

Sintflut.

In diesem Moment hörte ich das Rauschen.

Warum war ich ohne jede Vorsicht zum Wasser gegangen?

Ich sah mich um.

Suchte nach einer Möglichkeit zu fliehen.

Es gab keine.

In meiner Verzweiflung fing ich an zu beten.

Sprach mit Gott.


„Wenn es jetzt Zeit ist zu gehen,

bitte gib mir deine Hand.

Nimm mir die Angst.

Und bleib an meiner Seite.“


Die braune Brühe stürzte talwärts.

Sie schlug nicht über mir zusammen.

Ich schaute von oben zu.

Wurde nicht einmal nass.


Später saß ich mit meinen Lieben zusammen.

Erzählte ihnen, was mir widerfahren war.

Ich fragte sie, ob es noch eine Überschwemmung geben würde.

Sie meinten, alles sei ruhig und es drohe keine Gefahr.


Als ich aufwachte, bedankte ich mich beim Herrn.


10/2021